Der revolutionäre kampf geht weiter.

auf den autobahnen

 

kommt schon, 

wir gehen zum mann auf der leiter,

im orangenen anzug

pinselt er am blauen schild,

mit dem blau von aral

malt er seen und himmel.

 

wir sind in deutschland,

zu blau passt gelb,

wir zeigen dem schildermaler:

die gelbe sonne,

ein capri eis,

köstlich zum blau der autobahn,


kommt schon, 

wir erzählen ihm von unserer letzten panne,

wie sehr der schutzbrief half,

lasst uns in den stahltoiletten

unzählige schilder aufhängen

mit der inschrift,

der schutzbrief hat geholfen.

 

der schildermaler sagt nichts.

zeigt mehr bemühen und wendet nicht den kopf,


kommt schon, 

lasst uns noch einmal 

salutieren und ihm empor rufen,

autobahnen sind die kirchen unserer zeit,

sie malen dort oben

ganz sicher ein heiliges bild.

 

schon recht, schon recht,

psalmt er in den äther, dann

schwebt er langsam die leiter hinunter,

einer köstlichen orange ähnlich.

wenn es gut läuft in deutschland und

die sonne scheint, 

bin ich tag und nacht

auf der autobahn, 

dann sehe ich donald und

seine neffen hinten im roten auto sitzen,

sie fahren in die grünen wälder kanadas,

an einen blauen see,

zum angeln,

versteht ihr, was ich meine.

das erlebe ich nur auf der deutschen autobahn,

gebirge, flachland,

praktisch alles da.

 

ihr versteht nicht,

ihr braucht hilfe, bitte,

da kommt die gelbe sänfte,

getragen von achtzig millionen krabbelbeinchen.

auf der gegenbahn 

zwei herrenreiter des avd,

sie ziehen ab, 

sie sind zu endalt,

deutschland ist cool und

wird von mittelaltem gelb regiert.

habt ihr denn schon den schutzbrief,

fragt der gelbe mann,

da fällt das blau des schildermalers

von der leiter,

es färbt den gelben engel grün,

die farbe, die deutschland noch fehlte.

 

das grün des deutschen waldes, der

noch immer nicht gestorben ist.

den schutzbrief in unserem herzen

salutieren wir ein letztes mal,

drehen die musik laut und

fahren mit topspeed

in das rote herz unserer blauen liebe.

 

kommt schon, 

sagt einmal wenigstens,

danke, deutschland.

on my way humm (1)

1.

tonight i feel like speaking in a rotten 

school english.

2.

on my way humm i saw some old 

people, heading for their aldi einkauf.

3.

father was driving, mum was laughing.

4.

she knew everything better, she was

doing the quatschi in the car, while 

the old, grey and beige father was

thinking of technique and that he

would have no more any business-

partner to talk to.

5.

then a young woman came the way

on her bike, it was like schweben,

the old aldi father thought.

6.

mother had already looked for all

the special offers in the billige 

brochures.

7.

then i saw a couple kissing.

8.

i forgot how they looked like.

9.

aldi father could tell you.

10.

give him a call or write to him

through the angels of the

adac.

11.

i was thinking of utopia, that every

fucker should be free and in love.

12.

it would be a nice party in the

zwischenraum, without any

terror of time.

13.

ridicolous time, i thought.

14.

the next thought was of course, to

write on without using the word i.

15.

a philosopher once said, it would be

an anmaßung, if someone said i.

16.

he meant the bürgerliche subjekt,

that is only

an empty castle.

17.

that keeps away from feeling free.

18.

or being free.

19.

what does the idea of freeheit

mean to us fuckers.

20.

the aldi couple doesn´t care

a shit.

21.

they do their preisgünstige

buys to geht along somehow.

22.

what a holy mess.

23.

we should give them a kiss.

24.

try to feel better, if

we can.

25.

what will the fucking

aldi age bring to us,

we might ask

in the zwischenraum.

26.

we smoke that question away

or do some sports.

27.

then comes the desire.

28.

and we hope again

and think,

in the zwischenraum.

29.

i will tell the people

in the uno.

30.

then everything

will be fine.


raum rüsselsheim

 

ernsthafte autotests,

hinterhofgarage, pinkeltopf,

blut auf einer radkappe,

ach ja: und weltflughafen.

 

halt die fresse mit dem

scheissflughafen, sonst

stech ich dir mit dem

schraubenzieher

in die radkappen.

 

benzin im blut, niedergeschlagen,

felder und strommasten,

ein jemand von chemie,

autotest und: weltflughafen.

 

den pinkeltopf im hof ausgeschüttet,

blut auf der radkappe,

eine tote katze,

weinlese bald.

 

halt zu all dem die fresse.


osterbotschaft


heute morgen

beim frühstückmachen

wimpernschlaglang

das glück gesehen,


durchgenudelt aus jahrzehnten,

beschrieb die rückenlinie eine

frage in leuchtendem blau.

dazu der gelbe lappen und

alles in vorbereitung.

ein morgen mit sonne durch

himmelblau, 

einer luft zum essen,

bis kurzzeitig das

innere selbst in

lagerräumen suchte.


die käseplatte dezent, auch

die gekochten eier, alles

auf holz, als gäbe es nur

natürlichkeit.

etwas raum, ein

klares fenster,

draußen ein jugendtraum.

die frage vorgelegt, wieweit

das leben lebt.


gleich nicht mehr darüber nachgedacht,

im schönen geschwungen, mit letzten

wischbewegungen.

ob sich ein drama zu wiederholen beginne,

kurz abgeheult beim teemachen.

alle freundlich empfangen.


mit dem morgen noch nicht fertig gewesen.

keine angst vor der wirklichkeit,

die osterbotschaft sei keine

intellektuelle angelegenheit.


die plateau sohlen eines früheren

mopedfreundes bedacht.

dann die luft aufgegegessen,

stück für stück, 

alles, was da war.

vorstadt im büchsenlicht, ein gebet

 

blaues licht, nasse straße,

heckleuchten, parkplatz, graue wand,

toom markt, bratwurstfett.

centerlady, gentleman, kinocenter,

alufassade.

 

baumarkt-weihnachtsbäume,

alte mit offenen beinen halten sich

batschkapp, plastiktüten.

markt mit gelben hemden,

alles muss weg, auch

sozialplan.

 

abenddämmerung, 

frühherbst, mittelherbst, spätherbst,

led licht, vorweihnachtlicher herbstbeginn.

marxheimer platz, avis budget, feuermelder,

aldi süd, goethe hotel.

 

24 stunden säule network power,

zeppelinpark, tor nord.

fq3259, mr 926, fx206,

led licht, tüv bericht,

europapark.

 

danke leben, danke, 

dass alles da ist,

 

buzzi park, kräne,

radisson blue, busparkplatz,

hguk, 996.

braunes horn, 

hotel sonne, 

offene bomberjacke,

offenes bein.

 

kevin, janine, juliette, francoise, herbert.

unfall, nasse straße,

dreißig tonnen rutschgefahr.

angelika merkel,

halteverbot,

abendhimmel,

dachhydrant.

 

futz, knuddel, aschenbecher.

umgedrehter regenschirm,

autowaschanlage,

97074343.

neonhut.

 

danke leben, danke,

dass alles da ist.

 

und mach ich die tür zu, bleibst

du draußen, stimmt nicht,

nasse straße, abendlicht,

centerlady, gentleman.

 

danke leben, danke,

dass alles da ist.

 

für den rest kannst du nichts.

außerhalb offenbachs

 

1.

auf der bornheimer kerb stand georg oder schorsch, mit

pykniker bauch und gut drauf, er kam von außerhalb

offenbachs, erzählten sich die leute, aufgeplatzte lippen

hatte er, aber dezent.

 

2.

außerhalb offenbachs war ein baugebiet, von spärlichem

licht beleuchtet, aufgewühlter lehmboden, rehbraun, aber

giftig und stinksauer.

 

3.

irgendwo lag eine luftmatratze, sie roch wie die luftmatratzen

von früher, ständiger luftverlust, bei zeltberührung

wassereintritt.

 

4.

autobahnrauschen, metallgitterzaun, baumarktscheinwerfer,

ein abgefetztes plakat.

 

5.

schorsch war die umgebung egal, betraf ihn nicht, wenn tür zu.

wohnen im eigenheim per eigenererb.

 

6.

von der blödsinnigen luftmatratze wusste schorsch nichts, mal

stellte sich das kopfteil hoch, dann übte das untere segment

klappmesser für den restlichen lufterhalt.

 

7.

schorsch trat ans fenster und sah ins lehmbraune gelärsch,

bauerwartungsland, dachte er vielleicht und fragte sich, wie

es hier nach der niederkunft der erwartung einmal aussehen

würde.

 

8.

hände in den hosentaschen seiner bermudas, eierspiel.

 

9.

im schattenwinkel einer bauleuchte zappelte die luftmatratze

weiter, obwohl sie dadurch immer mehr luft verlor.

 

10.

schorsch hatte sich bettfertig gemacht und dachte an nichts.

 

11.

warum die blödsinnige matratze da lag, im schmutzwinkel,

auch was sie tat - ist nur schwer zu erklären.

 

12.

lassen wir das.

 

der rettungswagen

 

am morgen fuhr ich 

richtung westen, mit

lauter musik von

underworld, der

sonne

im rücken.

 

als ich an einer ampel

stand, sah ich

auf der anderen

straßenseite quer 

einen rettungswagen in

leuchtendem rot, sauber

geputzt und voller 

konturen, innen vielleicht

beruhigende männer,

konzentriert

bei der arbeit.

 

als kind hatte ich einen

freund, spezialist 

für feuerwehrwagen, die

er gerne umbaute,

modifizierte, nach 

den neuesten gesetzen 

seiner welt.

mein grauer 

plastikbus mit

roten sitzen, an

dem ich so gerne

roch, genauso 

wie an den noch 

warmen zügen 

meiner modelleisenbahn.

 

wie sauber und unbewegt der

rettungswagen 

vor mir stand, an

anderem ort ein

genrebild, vor

unbenanntem haus, um

mutti oder vati 

abzuholen.

 

ein paar jahre später 

hausverkauf.

 

ein freund erzählte, 

seine bekannte, 

ohne kinder,

ohne vati,

werde im alter

schöne drogen 

nehmen, vielleicht

aber vorher schon, im

akt der liebe

hinüber gehen,

gerne bereit sein,

alles

zu lassen.

 

ich fuhr dann weiter,

immer noch begleitet

vom gleichen, lauten

klang, rechts

die häuserzeile von

ernst may, mit

zugangsblenden vor 

den wohnungen, dort

wollte ich überall 

klingeln und die

bewohner 

in ein gespräch 

verwickeln.

 

dass

der rettungswagen 

so still stand,an diesem perfekten,

klaren morgen, hätte ich

allen erzählt.

terrasse, 11. stock


optimistischer betonbau,

hingegossen 1963, ärzte

mit namen wie ungeheuer

alles operiert, manche

aufgestiegen zum 

heiligen geist.


waschbeton und plattomaten,

nach den zimmerbesuchen, 

11. stock, links, im westen

terrasse mit sonne für nichtraucher,

leer, im cafe 

siedewurst und kuchen, kaltgetränke,

rechts, im osten,

raucherterrasse, schattenwurf.


hinten ein schuppenmann 

im blauen bademantel,

großkanüle in den hals gerammt, 

röchelatem zum besuch seiner frau,

weißhäutige, geschuppte haut,

aufgeschwollene füßen in den 

adiletten mit drei streifen.


rechts wird geraucht und gelacht zu 

den altersflecken,

bitzweiße haut mit fahrspurrillen, 

weißes resthaar, bademantel,

großraumhosen, adiletten auf beton,

modelldeutschland im wartestand.


morgens nach osten, mittags nach westen,

abends nach osten, nachts freie wahl.


geländer, 11. stock, plattomat,

kieselkachel, rindswurstwasser,

flaschenbier, heiligkeit.


ein paar stockwerke tiefer 

schlüpfen babys ins apricot,

obendrüber organ rausgeschnitten,

weggeworfen, neu gemacht oder 

so gelassen.


gut drauf unter den fahrspurrillen,

zigarettchen geraucht, mit 

letzter kraft,

wackelgang.


blick über die nordwest stadt,

alles gestaltet, ehemals

mit guter absicht.


auch die politik, mit

klarem interesse.


elektronische einheiten

scannen nüchtern das organ,

entworfen auf frühem

papyrus.


jetzt ist noch zeit den

blick zu heben.

auth heidlbag

 

grieg nigs bud machd,

thloldad thage thoene

froilein mid thbithe thu, wolla

thigared ham oda thogolad un

in offa audo har wedel lath?


vleithd, thaga thoene froilein.

 

briga ald un thloth thon bithi

bud, aba nithd fon unth, thaga

thloldad, dan etha beida erthdma

thogolad auth heidlbag.

 

Ihr lieben, lieben sommerbuzzis!

 

gerade saßen wir draußen, aus dünnem

lautsprecher hörten wir ruhige musik, wir

tranken ein gläschen und stimmten überein, 

dass sommer ist.

 

jetzt ist es spät und noch nicht einmal

büchsenlicht, ihr könnt

ganz leicht bekleidet ausgehen, euch

eurer reife erfreuen, daran,

wie schön alles vor euch liegt und

dass das gut ist so.

 

was ist mit den dreckigen

drecksproblemen überall,

weg damit, es ist

euer gutes recht, dem

elend die schulter zu

zeigen, schon morgen

seid ihr wieder wohltätig,

hilfreich und gut,

ich, eure liebe mutter,

weiß das doch!

 

also geht noch mal aus, macht 

euer sommerbuzzi-ding

gerade so, wie es euch gefällt,

 

vergesst den herbst mit wer

jetzt kein haus hat usw., jetzt

braucht ihr kein haus, es reicht

völlig aus, sich in den nächsten

park fallen zu lassen

etwas an der erde zu 

schnuppern,

 

ihr sollt nicht solchen quatsch

denken wie und später

die radieschen von unten sehen,

hört auf mit diesem geseier, sonst

schnürt es eurer guten mutter

noch den puls zu, ihr seid doch

 

schlau und alle darauf aus,

eure zeit zu nutzen, schön mit 

dem satz epikurs, dass

der tod uns nicht

zu interessieren hat, da

er etwas gänzlich anderes ist

als dieses leben hier, das ihr 

sommerbuzzis

gerade so

 

mit vollen eisbechern, schönen

getränken, schattigen

räumen, einfühlsamen

gesprächen, lauter 

musik, breiten straßen,

vorgärten und parks,

holzfeuer und schnutzfuzzel

zu nutzen und genießen wisst,

 

recht so, ihr guten, lieben

sommerbuzzis, 

seid gewiss, eure 

liebe mutter ist mit euch.

anmerkung zum sonnenstand


abends ging ich ins

stahlorange, bedröhnt

von den anführungszeichen

der hochhäuser,

happy hour vor

einbruch der dunkelheit.


letzte café gespräche, 

schon mit benzin gemischt.

in erwartung des

großen abends,

vorstoß in ein vakuum, 

um neuen raum

zu schaffen.


hand in hand kam mir

ein paar entgegen, sie

fragten, where are you

from, dann luden sie

mich ein, wann wo was,

das konnten sie nicht

sagen.


der abend war offen,

vom zweiunddreißigsten

stock aus sah ich einen

klumpen am horizont,

als es dunkel war,

gab er ein licht.

motorland

 

keine delle, herzschrittmacher,

gelbe welt und hosenkracher,

sparen und die dings verachten,

nur das häusle nicht umnachten.

 

locker bleiben, dabei schwitzen

auf den neuen autositzen,

ortsumgehung, supermärkte,

schlaganfall und deutsche stärke.

 

ein anderes deutschland kommt in sicht,

sagt, das sei die wahrheit nicht.


Martin Westenberger

60488 Frankfurt

Email: MartinWestenberger@gmx.de